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Das Problem mit dem Verständigungsproblem…

Sprache ist das Mittel, mit dem wir uns untereinander austauschen und an dem wir uns gegenseitig messen. Im angestammten Territorium ist Muttersprache eines der meist vernachlässigten Kriterien bei der Partnerauslese. Wenn man X,Y nach dem persönlichen Auswahlverfahren fragt, hört man meist solche Allgemeinplätze wie: schöne Auge, knackiger Arsch, humorvoll, Holz vor der Hütte, intelligent, muss Kumpel sein, super Body und , und , und…das kann man ziemlich ausdehnen. In den seltensten Fällen hört man, gefällig reden, vielleicht mal, gut ausdrücken muss er, sie sich können. Dabei ist es doch genau das, worauf wir unbewusst reagieren.
Wem ist es noch nicht so gegangen. Die äußere Beschau war absolviert und dann kam der Moment, in dem er oder sie „den Mund aufmachte und dann war alles vorbei“. Es gibt in meinem Umfeld und im eigenen Erfahrungsschatz genug Beispiele für diese Schlusspointe. Nur irgendwie nehmen wir dieses Kriterium nicht wirklich wahr.
Es gibt ja so unterschwellig in der deutschen Männerwelt eine mehr oder weniger offen nach außen getragene „Missbilligung“, bezüglich Paarungen von deutschen Frauen mit ausländischen Konkurrenten, meist südländischer Prägung. Da spielen verschiedene Ansätze eine Rolle. Das sich abgrenzende Äußere und die, immer wieder angesprochene , romantische Ader , nicht zu vernachlässigen das stürmische, südländische Temperament der besagten Liebhaber.
Ich konnte Zeuge einer Entwicklung sein, die mir diesbezüglich in mancher Beziehung die Augen öffnete. In meinem direkten näheren Umfeld lebte eine junge Frau, die sich diesen angesprochenen Kriterien nicht entziehen konnte. Ein kleiner Italiener (er war wirklich klein) hatte ihr den Kopf verdreht. Er hatte wirklich ein angenehmes Äußeres und vom Singsang, dem Klang seiner Stimme konnte sie gar nicht genug bekommen. Das Problem war, sie verstanden wechselseitig kein Wort von dem, was der andere erzählte. Aber temperamentvoll war er, wie die Südländer nun mal so sind (später bezeichnete sie es als unbeherrscht) und er säuselte wunderbare Worte in ihr Ohr (von denen sie keines verstand), die so wunderbar klangen. Na ja, es ging eine Weile gut und die junge Frau bemühte sich seine Sprache zu entschlüsseln, er weniger die Ihre. Er hatte sich einige wirkungsvolle Gemeinplätze eingeprägt und intonierte diese je nach Situation Beifall heischend, in sonniger Zufriedenheit.
Sie bemühte sich so fleißig um seine Sprache (heut spricht sie nach einem Studium fließend italienisch), dass es nicht lange dauerte und sie war in der Lage den lamentierenden Menschen zu erkennen. Der Klang war immer noch schön, doch die Aussagen trist und fade, das Temperament (die Ungeduld) war einem Phlegma gewichen und die Haut bekam unter deutschem Himmel einen gräulichen Schimmer. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, kommunizierten auf unterschiedlichen Ebenen. Obwohl sie ihn nun verstand, verstand sie ihn von Tag zu Tag weniger.
Heut macht sie sich ab und zu einen Spaß daraus, im Restaurant interessiert den um sie herumschwänzelnden, seine „Arie singenden“ Kellner auf italienisch zu antworten, der dann lachend, doch meist pikiert den Rückzug antritt. Würdet ihr sie heut fragen, würde sie sagen, „war nichts besonderes dran, ich musste ihn nur erst richtig verstehen!“
Das ist nicht als Pauschalisierung zu verstehen, sondern eine einzelne Geschichte, die mir jedoch in vielerlei Hinsicht Einblicke verschafft hat…

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