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Erinnerung an Weihnachten

Erinnerung an Weihnachten

Wenn ich ehrlich bin, hab ich mit diesem ganzen Rummel schon von klein auf nicht viel am Hut. Herausgeputzt, im kratzigen von meiner Mutter selbstgestrickten Pullover, drückenden Lackschuhen (wo kamen die bloß her) standen wir, meine Geschwister und ich, aufgereiht wie die Orgelpfeifen in der “guten Stube” angespannt wartend herum. Weihnachtsmusik füllte den Raum und die Wartezeit bis zum Verklingen des letzten Tons erhöhte die Peinlichkeit dieses Augenblicks. Das ganze erdrückende Ritual war noch steigerungsfähig. Jetzt steuerten wir auf die noch peinlicheren Momente zu. Ein schritt vortreten, meine Schwester war die erste, die ihr Solo vortragen “durfte”. Sie war offensichtlich begeistert, es sieht in meiner Erinnerung jedenfalls so aus. Sie schmetterte ein paar Strophen eines Weihnachtsliedes in den Ähter und trat wieder zurück in die Reihe. Jetzt war mein Bruder dran, der seinen Vortrag routiniert herunterleierte. Zu guter letzt also ich. Ein Gedicht, irgend so einen Vierzeiler, hatte ich nach vorherigem Drängen meiner Mutter gelernt, das war nicht das Problem. Das groteske dieser Situation hatte mich im Griff. Allein stehend, in einem mucksmäuschen stillem Raum, geschwängert von gespannter Erwartung drängte sich mein “widersprechender Schalk” in die Mundhöhle. Lala, lala, lala! Ende, Verbeugung! der Klaps auf den Hinterkopf war mein Ritterschlag! Was dann folgte, die Feiertage, rundeten die ganze Sache ab. Die Luft brannte regelrecht, ein Funke und alles wäre im Chaos zerbröselt. Meine Eltern waren es nicht gewöhnt 4, 5, Tage lang 24 Stunden umeinander herum zu hüpfen und dann noch drei Kinder rund um die Uhr trug sicher nicht dazu bei, den Stresspegel zu senken. Nach außen sah das alles nach heiler Welt aus, nur eigentlich fungierten wir Kinder irgendwie als Statussymbole. Kein Publikum, kein Interesse! Im Laufe der nächsten Feiertage wuchs die lange Weile in unwirkliche Dimensionen, die Straßen und geheimen Plätze waren vereinsamt, Feiertage wurden mit der Familie verbracht. Diese Tristes wurde nur von widerlichen Wangenzwickereien der aufdringlichen Tanten und dem Vorzeigen unserer wunderbaren Geschenke unterbrochen. also ich war hoch zufrieden wenn diese Tage vorbei waren!
Es ist nicht meine Absicht Weihnachten zu verteufeln, ich persönlich kann nur nicht allzu viel damit anfangen.
M.G.

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