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Part 2 Absturz

Es ist einige Zeit vergangen, 4 Jahre genauer gesagt, und die Episode am Kiessee war nur noch entfernte Erinnerung, die ab und zu ins Bewusstsein blitzte. Mein Kopfkino allerdings nicht , das drängte nach und nach intensiver in meine alltäglichen Gegebenheiten. Immer öfter spielten sich vor meinem geistigen Auge Szenen ab oder entstanden Trugbilder, die ich nicht zuordnen geschweige denn erklären konnte. Dem „Wahnsinn“ nahe, lernte ich damit umzugehen, ignorieren und eisiges Schweigen schützte mich vor dem Stempel, den man mir sicher aufgedrückt hätte, wäre ich mit der Sprache herausgerückt. Ich entwickelte mich zu einem recht verschlossenen Kind, das in Büchern Antworten suchte, die es woanders nicht zu erwarten hatte. Das entwickelte sich zu einer regelrechten Manie, ich las querbeet alles, was mir unter die Finger kam, wobei ich begünstigt wurde durch die wirklich sehr umfangreiche Bibliothek meines Vaters und 2 Leserausweisen für wiederum andere Buchausleiheinrichtungen. Wenn ich verschlossen schreibe bezieht sich das nicht auf mein nach außen getragenes Bild meiner Persönlichkeit sondern auf den geistigen Zutritt in meine Gedankenwelt. Ich war ein sehr agiles extrovertiertes Kind, das schnell Anschluss fand und es immer wieder verstand, schnell die Oberhand in den allgemein üblichen Klicken zu erringen, wobei meine gute körperliche Konstitution und mein allgemein, meinen Altersgenossen gegenüber, überlegener Intellekt keine unwesentliche Rolle spielten. Aber ich sollte jetzt wohl zum Kern dieser Geschichte kommen.
Unsere Bande zählte durchschnittlich 8 bis 10 Jungen, das schwankte je nach Wertschätzung der Person und deren Nützlichkeit für die Gemeinschaft, wobei auch ab und zu ein ernstes Elternwort die eine oder andere Abspaltung bewirkte. So wurden die Schwächlinge aussortiert. Wie heißt es so schön: „Nur die Harten kommen in unseren Garten“! Härte sollte heut auf die Probe gestellt werden. Wir waren unterwegs zu einem alten ausgedienten Gewerbegelände, das uns schon oft als Tummelplatz unserer kindlichen Abenteuerinszenierungen gedient hatte. Unsere Abenteuerlandschaft bildete ein verhältnismäßig großes, völlig verwildertes Grundstück, auf dem sich noch einige alte Werkstattgebäude befanden, die schon lange dem Verfall zum Opfer gefallen waren. Hier sollte unsere Mutprobe stattfinden. Ein Neuer war zu uns gestoßen und Rituale sind wichtig für den Zusammenhalt der Gruppe, sowie sie ebenso oft blödsinnig gefährlich für die Gesundheit sind. Wir kletterten also alle auf das Dach eines der alten Gebäude und befanden uns nun etwa 8 Meter über dem unter uns gähnenden Abgrund. Etwa 2 Meter von der Dachkante entfernt wuchs ein Baum in die Höhe, der Ziel unserer großartigen Aktionsposse sein sollte. Es war ganz einfach, hinüberspringen und am Baum wieder gen Erde klettern. Die Hälfte unserer Heldentruppe hatte nach einem kurzen Blick hinunter still schweigend das Dach wieder verlassen, elende Feiglinge, ihre Mitgliedschaft war zu überdenken. Wir anderen standen am Rand des Daches und irgendwer fachte eine sinnlose Diskussion über die Sinnfälligkeit unseres Unterfangens an. Mich nervte dieses hin und her nur: „Sind wir nun hier um zu springen oder zu quatschen? Ist doch gerade mal ein bisschen mehr als eine Körperlänge, was ist da dabei man!“, ich war ungeduldig geworden und wollte das Theater nicht länger mitmachen. „Los jetzt!“, schrie ich und sprang. Ein anderer Junge hatte meine Aufforderung angenommen und sprang in selben Augenblick und damit war das Drama losgetreten. Nicht nur das er gleichzeitig mit mir abhob, er hatte sich als Ziel den selben Ast wie ich auserkoren und wenige Sekundenbruchteile später hingen wir beide wie die Klammeraffen buchstäblich in der Luft, den abgebrochenen Ast krampfhaft umklammernd sausten wir Richtung Mutter Erde. Bruchstücke von Bildern zogen an meinem inneren Auge vorbei und Klatsch, Bruchlandung! Selbstverständlich landete der andere auf mir und sorgte dafür, dass auch das letzte Quäntchen Luft aus meinen Lungen gepresst wurde. Ich lag auf dem Rücken und pumpte wie ein Käfer, dann wurde erst einmal alles Schwarz um mich herum. Seltsame Formen und Lichter zuckten in meinem Bewusstsein (?)
Als ich zu mir kam, war keiner meiner Kumpane zu sehen. Diese Tatsache läutete das Ende einiger großartiger Freundschaften fürs Leben ein und einige neue Verbindungen waren geschlossen. Graue diffuse Schatten begleiten mich seitdem. Ich spinne, meint ihr, vielleicht, für mich sind sie da zu jeder Zeit und Stunde. Wenn irgendjemanden von Euch in seinem Alltag die eine oder andere Situation suspekt erscheint und nicht zu erklären ist und er es abtut unter „Blödsinn, kann nicht sein“ irrt er vielleicht, Ihr kennt doch den Spruch: „ Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde die………..“

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