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Part 3 Winterschlaf…

Jahre sind vergangen, in denen mir tiefe Einsichten zu Teil wurden. Ich will hier nicht auf mysteriöse Begebenheiten eingehen, die zu erzählen nur Unglaube und Kopfschütteln bei den meisten Menschen auslösen würde, ich will nur ein wenig auf den sprichwörtlichen „Sinn des Lebens“ eingehen, immerhin war ich zu dem Zeitpunkt, in dem diese Erzählung ihren Ursprung hat, schon zweimal gestorben. Grund genug, sich über das Leben Gedanken zu machen. Wer Part eins und zwei gelesen hat, kann beruhigt davon ausgehen, dass die dort beschriebenen Abläufe genau das zur Folge hatten, was man gemeinhin mit einem Nahtoderlebnis bezeichnet. Was soll das nun eigentlich bedeuten, ist man tot, oder nahe am Tod? Vielleicht können Ärzte darauf Antwort geben, ich nicht. Herzstillstand, Atemstillstand, fehlende Vitalfunktionen, Hirntod, wie definiert sich Tod und ist die Dauer dieser Zustände relevant? Irgendwie steht wohl alles in direktem Zusammenhang und zwei dieser Umstände spielten in jedem Fall bei meinen „Ausfällen“ eine Rolle. Inzwischen war ich 30 Jahre alt und immer noch am Leben.
Einen Umstand muss ich hier noch erwähnen, weil er vielleicht für die folgenden Ereignisse eine wesentliche Rolle spielte, ich trank zu der Zeit gern mal einen und ab und zu auch mal einen über den Durst. So war es auch an diesem Tag. Nach der Arbeit waren ein paar Kollegen und ich, wie zu oft, noch in unserer Stammkneipe eingekehrt. Wir hatten um 13°°Uhr Feierabend gemacht und zwischenzeitlich war es 17°°Uhr, Zeit nach Hause zu gehen. Die Nieren waren gespült und der Kopf schwebte irgendwo über dem Torso. Artig fanden die Füße, wie ein altes Pferd den Stall, den Weg zur Bushaltestelle. Es war Winter, kalt und dunkel und ich konnte die sich nähernden Scheinwerfer des Busses näher kommen sehen. Quietschend hielt der Bus genau vor meinen Füßen, die Tür schwang auf und ich war gerade im Begriff einzusteigen, als sie wieder zuschlug und der Bus Fahrt aufnahm. Na ja, meine Beine hatten sich in Bewegung gesetzt und strebten nach vorn. Ich knallte gegen den fahrenden Bus und drehte eine Pirouette entlang der an mir vorbeiziehenden, gelben Mauer.
Schemenhaft nahm ich ein riesiges weißes Zifferblatt war, es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass es sich um die Straßenuhr handelte, die an der Haltestelle oberhalb des Wartehäuschens angebracht war. Ich hatte Schwierigkeiten mit der Perspektive klar zukommen, bis ich merkte, dass ich am Straßenrand saß. 19:30 Uhr, ich hatte offensichtlich ca. 2 Stunden hier gelegen, ohne dass sich irgendwer darum geschert hatte. Es war kalt, -3°, wenn der Bus mich nicht umgebracht hatte, hätten es die Temperaturen machen müssen. Ich fror und konnte kaum laufen, alle Glieder schlotterten und meine Zähne schlugen aufeinander, ich fühlte mich jämmerlich. für den 20 minütigen Fußweg brauchte ich eine dreiviertel Stunde. Erst zu Hause sah ich, dass mein Gesicht von Blut verklebt war, und ich konnte zwei Platzwunden ertasten, die in der Wärme anfingen zu pulsieren. Mein Hausarzt grinste mich unverhohlen an, als ich ihm am nächsten Tag die Geschichte erzählte. Er erklärte mir, dass niemand bei minus 3 Grad 2 Stunden im Schnee liegend durchhalten würde. Abgesehen von den Kopfwunden und der Bewusstlosigkeit, die schon allein den Kreislauf so geschwächt hätten, dass ein Aufwachen jenseits der Vorstellung lag. Tja, das war seine Meinung, mein Wissen war, dass sich alles genau so, wie hier geschildert abgespielt hat.
Jeder kann nun spekulieren ob ich spinne oder „ne Schraube“ locker habe, ist mir egal, solche Dinge haben mich früher beschäftigt. Heute haben sie keine Priorität mehr für mich. Ich hab meine eigenen Erkenntnisse gewonnen und ich bin immer noch da! Und genau das ist die einzige Frage die mich beschäftigt, warum bin ich noch da….

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