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Was ich meiner Mutter nie verzeih und warum ich Leipzig nicht mag…

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All das, was jetzt kommt, ist mit Vorurteilen behaftet und sicher kann Leipzig nichts dafür, aber die Menschen (vor allen ich) sind so gestrickt, dass nichts anderes rauskommen konnte als diese traurige Geschichte.
Meine Eltern lebten in Berlin, meine Mutter war schwanger und mein Vater auf Reisen, Dienstreise, Schulung oder irgend so etwas…irgendwas ist ja immer…also sie kam auf die Idee zu ihrer Schwester nach Leipzig zu reisen, um in „meiner“ Schwangerschaft nicht so allein gelassen zu sein. Soweit geht es mich noch nichts an, aber die Dinge entwickeln sich. Ich wollte nun auf die Welt kommen und so geschah es, dass ich dies fern meiner Heimat in Angriff nahm.
Es ging wohl alles gut, ich habe jedenfalls nichts Gegenteiliges gehört, und so erblickte ich in irgendeinem Leipziger Krankenhaus das Licht der Welt, als einer von zig Millionen Sachsen. Wo das Problem ist, fragt ihr…nirgends, bis hier her war das selbstverständlich, weder für mich greifbar noch von Belang. Als wir das mit der Geburt erledigt hatten, reisten meine Mutter und ich wieder nach Haus nach Berlin.
Ich kann nichts für den Regionaldünkel, der wohl schon seit Jahrhunderten zwischen Sachsen und Preußen herrschte und wohl auch zwischen anderen Regionen, aber ich sollte ihn zu spüren bekommen. Erst einmal ging alles gut, was sich änderte, als ich in die Schule kam. Jeder kleine Wicht musste vor der Klasse seine „Angaben zur Person“ herunterleiern, was ich auch unbedarft und ohne Hintergedanken tat. Und da war es, Sachse, Sachse, tönte es verächtlich aus etlichen Kinderkehlen! Von einer zur anderen Sekunde war ich ein Fremder und was ganz schlimm war ein „Sachse“ in meiner „Heimat“, irgend so etwas wie aussätzig. Gut, ich war damals schon hart im Nehmen, aber dieser Moment grub sich tief in mein Kinderherz ein. Es brachte mir etliche Prügeleien und Häme ein, dass ich am Beginn meines Lebens ein und einen halben Tag mit meiner Mutter im „Feindesland“ verbracht hatte.
Es ist heut noch so, dass sich, danach gefragt, willkürlich eine kleine Pause einstellt, bevor ich auf die Frage nach meinem Geburtsort antworte, selbst wenn ich mich gerade in dieser „unglücksseligen“ Stadt aufhalte, auf für mich fremdem Territorium.
Mein Fazit, Mütter bringt eure Kinder gefälligst zu Hause in eurem Lebensraum zur Welt und an alle „Sachsen“, im Herzen war und bin ich immer „Preuße“! (Merkt ihr wie dieser Dünkel wirkt….)

 

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  1. Kama Geldner
    18. April 2013, 07:57 | #1

    Ich wollte noch hinzufügen, dass ich in Sachsen/Thüringen eine sehr glückliche Kindheit hatte. Auch mit Leipzig verbinde ich schöne Erinnerungen. Wenn Du Dich als Berliner fühlst, dann bist Du es auch. Sehe es als Schicksalsschlag an, dass Du in einer Stadt geboren wurdest, mit der Du nichts zu tun haben willst und verzeihe Deiner Mutter für diesen Ausrutscher. Immerhin begann der Widerstand gegen das DDR-System in Leipzig (Montags-Demo). Wenn die nicht so hartnäckig gewesen wären… Wir Berliner sahen doch alles viel zu gelassen, um aktiv zu werden. Das kam doch erst alles viel später.

  2. Kama Geldner
    17. April 2013, 20:54 | #2

    Du bist nicht der Einzige, der verschleppt wurde. Ich habe vom 1. bis zum 5. Lebensjahr in Altenburg gelebt. Das ist an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen. Ich bin dann mit 6 Jahren wieder nach Berlin gekommen, wegen der Einschulung und hatte natürlich den sächsischen Dialekt gesprochen. Das war noch viel schlimmer. Heute berliner ich, dass mein ehemaliger Chef nur noch den Kopf geschüttelt hat.

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